Was ist Lerncoaching?

Lehrer, Eltern, Studierende und Schüler fragen mich häufig: Was ist Lerncoaching überhaupt?

Darüber wird derzeit viel in der Pädagogik diskutiert. Dabei ist Lerncoaching kein geschützter Begriff (siehe Blogeintrag vom Oktober.2013). Sie werden bei tiefer gehender Recherche somit auch keine einheitliche Definition von Lerncoaching finden – leider. Der Nutzen von Lerncoaching und die positiven Effekte für die Lernenden sind wiederum eindeutig und nicht von der Hand zu weisen (vgl. Hardeland 2013, 20-27; Hameyer/Hardeland 2011). Mehr dazu finden Sie hier in einem Fachartikel von Hameyer/Hardeland.

Nachstehend erläutere ich mein Verständnis von Lerncoaching.

 Lerncoaching ist

  • eine Zusammensetzung der Wörter „Lernen“ und „Coaching“.
  • eine spezielle Form der Beratung.
  • im Bereich der pädagogisch-psychologischen Beratung anzusiedeln.
  • eine Kurzzeitintervention, sodass in der Regel nur 2 bis 6 Termine stattfinden; es ist keine Dauereinrichtung wie Nachhilfe.

(Abbildung aus Hardeland 2013, 5)

Betrachtet man den Begriff „Lernen“, so wird ersichtlich, dass im Lerncoaching grundsätzlich das Lernen und lernbeeinflussende Faktoren wie Konzentration, Selbstmanagement, Motivation und Lernstrategien im Mittelpunkt stehen. Wesentliches Ziel des Lerncoachings ist es, den Lernenden zur Selbstregulierung und Steuerung seines Lernprozesses zu befähigen, sodass dieser (wieder) effektiv, zufrieden und erfolgreich lernt.

Damit ist zum Leidwesen vieler Eltern und Schüler nicht gemeint, dass sich automatisch die Noten verbessern. Das ist allenfalls ein positiver Nebeneffekt. Vielmehr geht es beim Lerncoaching auch und gerade um den (leider recht schwammigen) Begriff des Sich-Wohlfühlens. Ich kann sehr gut verstehen, dass sich Eltern, Schüler, Lehrer und Studenten eine möglichst sofortige Verbesserung der Noten wünschen; hierauf zielt Lerncoaching jedoch nicht primär ab. Primär geht es darum, die Zufriedenheit des Lernenden mit dem eigenen Lernverhalten und den Leistungen zu steigern. Durch Lerncoaching entwickeln Lernende ein (neues) Bewusstsein für ihr Lernverhalten und ihre -strategien, sodass sie zielstrebig Einfluss auf ihren Lernprozess nehmen können.  Kurz gesagt: „Lernen lernen“. Im Lerncoaching werden das schulische, betriebliche und außerunterrichtliche – das häusliche – Lernen betrachtet.

Zum Wortteil „Coaching“ im Begriff Lerncoaching: Coaching steht für eine ziel-, lösungs- und ressourcenorientierte Beratung. Der Coach agiert nicht etwa als belehrender Fachexperte, sondern Coaching ist ein Gespräch bzw. eine Beratung auf Augenhöhe. Coach und Klient sind hierbei gleichberechtigte Gesprächspartner. Das gilt auch im Lerncoaching – egal, ob es sich bei dem Klienten um eine neunjährige Gesamtschülerin oder einen 40 Jahre alten Studenten handelt.

Denn im Lerncoaching gibt es, im Gegensatz zum Schüler-Lehrer-Gespräch, kein hierarchisches Gefälle zwischen Lerncoach und Lernendem. Vielmehr stehen ausschließlich die Bedürfnisse, Wünsche, Erwartungen und Ziele des Lernenden im Mittelpunkt. Die Bedürfnisse des Lerncoaches, des Lehrers oder gar der Eltern werden ausgeblendet.

Lerncoaching-Gespräche dauern zwischen 20 und 60 Minuten. Lerncoach und Lernender kreieren oder konstruieren dabei individuelle Strategien, Maßnahmen und Lösungen, die möglichst maßgeschneidert (wie ein perfekt sitzendes Outfit) auf die Bedürfnisse des Lernenden zugeschnitten sind – immer unter Berücksichtigung von dessen Persönlichkeit.

Literatur

Hameyer, U.; Hardeland, H. (2011): Wissen, Wollen, Können. Lerncoaching als Kompetenzförderung. In: Schulverwaltung spezial 1/2011. S. 11-13.

Hardeland, H. (2013): Lerncoaching und Lernberatung. Lernende in ihrem Lernprozess wirksam begleiten und unterstützen. Ein Buch zur (Weiter-)Entwicklung der theoretischen und praktischen (Lern-)Coachingkompetenz. Hohengehren: Schneider.


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